Der Martinusweg lädt zum Pilgern ein

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   Den Alltag hinter sich
   lassen und in der Weite
   in Einklang kommen
   mit sich, der Natur
   und dem Glauben:
   Hierzu bietet der
   Martinusweg
   vielfältige Möglichkeiten.
   Foto: Dittlbacher
 

Der Martinusweg lädt zum Pilgern ein
»Tolle Kombination von Glaube, Natur und netten Leuten«

Der Winter hat das Land noch fest in seinen Fängen – umso mehr Freude macht es jetzt, Pläne für den Frühling zu schmieden. Wenn die Tage wärmer werden, zieht es die Menschen nach draußen. Rund 1200 Kilometer umfasst der Martinusweg in Württemberg, der quer durch die Diözese verläuft. Günter Bamberg, Carina Harrer und Martin Borgmeyer war das Pilgern allein nicht genug. Sie haben sich zu »Pilgerbegleitern« ausbilden lassen, um andere gut über den Martinusweg zu führen.

»Zu der Ausbildung zum Pilgerbegleiter bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde«, erzählt Günter Bamberg aus Heilbronn und schmunzelt. Er stand an der Kasse eines Supermarktes, als ihm Martin Borgmeyer, ein Bekannter aus seiner Kirchengemeinde, auf die Schulter tippte und ihn auf die neue Ausbildung aufmerksam machte, die in Kürze beginnen sollte. Günter Bamberg zögerte nicht lange. »Ich bin gerne mit Menschen unterwegs«, bemerkt er, »und es gefällt mir, den heiligen Martin als Aufhänger dafür zu nehmen, über das eigene Leben und den Glauben zu sprechen.«

Eine besondere Beziehung zu St. Martin

Gelaufen ist der 70-jährige pensionierte Ingenieur schon immer gerne, doch nicht unbedingt auf Pilgerwegen. »Wenngleich mich das schon immer angesprochen hat«, räumt er ein und erzählt von einer Reise nach Tours und von einer »besonderen Verbindung« zu seinem Diözesenpatron.

Wenige Tage später sitzt Günter Bamberg im ersten von drei Modulen in der Ausbildung zum Pilgerbegleiter für den Martinusweg, das vom Bischöflichen Ordinariat in Kooperation mit der St. Martinusgemeinschaft und dem Institut für Fort- und Weiterbildung angeboten wird.

Was sind Merkmale des Pilgerns?

»Die Ausbildung hat mir großen Spaß gemacht«, sagt der 70-Jährige rückblickend, »und die vielfältigen Themen haben mich angesprochen.« Auf dem Stundenplan standen nicht nur Merkmale des Pilgerns oder Inhalte zum Martinusweg und zum heiligen Martin, sondern auch die »geistliche Kirchenführung als Impulsgeberin für den Pilgerweg« oder die ganz praktische Pilgerbegleitung, die von der Begrüßung der Teilnehmer bis zur Ersten Hilfe reicht.

»So frisch dabei wie ich war sonst niemand«, sagt Günter Bamberg, doch inzwischen ist auch er »probegelaufen« und hat in einem Angebot bereits einen Part übernommen. Demnächst plant er gemeinsam mit Martin Borgmeyer eine Radtour mit Firmlingen seiner Kirchengemeinde St. Peter und Paul, die die jungen Leute auch über Martinuswege führen wird. Außerdem unterstützt er die Katholische Fachschule für Sozialpädagogik in Neckarsulm in ihrem Engagement für den Martinusweg.

Auch für Martin Borgmeyer hat der diözesane Pilgerweg eine wichtige Bedeutung. Der 54-Jährige ist als Wegewart für den Martinusweg im Heilbronner Stadtgebiet im Einsatz: Er erneuert Markierungen, überprüft die Beschilderungen und vieles mehr. Als 2016 die Mittelroute des Martinusweges offiziell von Bischof Gebhard Fürst eröffnet wurde, hat Martin Borgmeyer einen Pilgertag angeboten und gestaltet, der die Teilnehmer von Heilbronn nach Schwaigern geführt hat. Den Angestellten der Stadt Heilbronn reizen die Fragen, wie man mit Menschen umgeht, welche Impulse ihnen guttun, wie man sie anleitet oder wie man sie an Kirchenräume heranführt – und es liegt ihm am Herzen, ihnen den Martinusweg näherzubringen.

»Als ich die Ausbildung zum Pilgerbegleiter auf der Homepage der Martinusgemeinschaft entdeckt habe, war klar, dass ich dabei bin«, meint er lächelnd. Die drei Module haben ihm »ein gutes Grundgerüst« vermittelt und er schwärmt von der »sehr guten Gemeinschaft« und den »tollen Kontakten«, die sich innerhalb des Kurses von acht Teilnehmern ergeben haben.

Tagesetappen unter einem gewissen Motto

Martin Borgmeyer hat viele gute neue Ideen entwickelt, wie beispielsweise Tagesstrecken unter einem Motto anzubieten. »Es geht auch darum, unsere Martinuswege zu beleben«, stellt er klar, »ein Teilen im Sinne des heiligen Martin zu erleben und ein christliches Europa in die Köpfe der Menschen zu bringen.«

Der 54-Jährige freut sich schon auf die Termine, an denen er im Jahr 2018 mit Pilgergruppen unterwegs sein wird, »weil es mir wichtig ist, anderen die wertvollen Gedanken, die hinter dem Martinusweg stecken, zu vermitteln«, betont er. Für ihn selbst bleibt die große Sehnsucht, einmal auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern. Wer weiß: Vielleicht ergibt sich ja 2018 eine Gelegenheit.

Falls ja, könnte er sich im Vorfeld vertrauensvoll an seine Kurskollegin Carina Harrer wenden. Die 30-Jährige aus Isny im Allgäu war die Jüngste, die an der Ausbildung zur Pilgerbegleiterin teilgenommen hat. »Ich bin schon häufig auf Jakobswegen gepilgert«, berichtet sie, »und habe auch schon verschiedene Vorträge darüber gehalten.« Werktags arbeitet sie in der Bank, am Wochenende und im Urlaub zieht es sie nach draußen. »Bei meinen Vorträgen bin ich schon öfter angesprochen worden, ob ich andere Pilger mitnehmen würde. Bei Tagesetappen habe ich das ja auch schon gemacht. Das hat mich auf die Idee gebracht, die Ausbildung zu machen«, erklärt sie.

Die Erfüllung eines Kindheitstraumes

»Das Laufen macht mir unheimlich viel Spaß, vor fünf Jahren war ich sechs Wochen allein auf dem spanischen Jakobsweg unterwegs« – für sie die Erfüllung eines Kindheitstraumes und zugleich eine wertvolle Auszeit von ihrem stressigen Alltag, die sich die junge Frau seitdem immer wieder »gönnt«. Ab und zu braucht sie es, einmal nur für sich zu sein, doch sie schätzt es auch sehr, beim Pilgern mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. »Beim Laufen öffnen sich die Menschen und es ist Zeit zum Reden«, weiß sie. »Manche Leute erzählen dann sehr viel von sich.«

Ein Gebet, ein Spruch, Gedanken für den Weg

Ob Carina Harrer alleine oder mit anderen unterwegs ist – sie hat immer mehrere Impulse dabei. Ein Gebet, einen kleinen Spruch, Gedanken für eine bestimmte Kirche, die auf ihrem Weg liegt. Das ist ihr ganz wichtig.

»Ich bin sehr gläubig«, sagt die 30-Jährige, »und finde die Kombination von Glaube, Natur und netten Menschen, die ich auf meinen Pilgerwegen erlebe, einfach toll.« Als nächstes größeres Projekt hat sie sich den Martinusweg in Frankreich vorgenommen, aber bis dahin wird sie sicher noch zahlreiche kürzere Teilstrecken des »Via Sancti Martini« im Allgäu und rund um Isny bewältigt und viele Menschen mit ihrer Begeisterung fürs Pilgern mitgerissen haben.

Text: Diana Müller
aus: Katholisches Sonntagsblatt, Das Magazin für die Diözese Rottenburg-Stuttgart, Nr. 6, 11. Februar 2018